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Fenster in die Geschichte



Mit der Aufhebung des Deutschen Ordens in den Staaten des Rheinbundes durch Napoleon und der Einverleibung des bis dahin verbliebenen Ordensterritoriums in das Königsreich Württemberg 1809 erlosch der höfische Glanz der bisherigen Residenz der Hoch- und Deutschmeister in Mergentheim. Keine Sitzungen der höchsten beschlußfassenden Versammlung des Ordens fanden mehr im prunkvollen Kapitelsaal statt, in welchem jetzt mit 24 Stühlen und einem großen Tisch die Sitzordnung von 1791 nachgestellt ist. Die Zeit der Audienzen in den fürstlichen Wohnräumen des Südflügels mit den prächtigen Stuckdecken von 1739, die das Hochmeisterkreuz in Variationen zeigen, warunwiederbringlich vorbei.

Es folgte ein allgemeiner Niedergang der Gebäulichkeiten, deren Nutzung seit 1827 als Apanageschloß des häufig abwesenden Herzogs Paul von Württemberg(1797-1860), eines namhaften Weltreisenden, Naturforschers und Sammlers,lediglich Episode blieb. Während im äußerlichen Schloß verschiedene Verwaltungen des Staates und des Oberamts bzw. Landratsamts untergebrachtwaren und sind, diente das innere Schloß zunächst als Kaserne, später diversen städtischen einrichtungen als Domizil. Durchgehend fanden hier aber auch private Mieter während des "Dritten Reiches" lokale NS-Parteidienststellen, in der unmittelbaren Nachkriegszeit "Displaced Persons", d.h. im Zeiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppte Ausländer, später eine Kleiderfabrik, schließlich u.a. sogar eine Balettschule eine zeitweilige Bleibe.

Informative Freilegungen kleinerer Flächen in den Decken, Wänden und Böden zahlreicher Schloßräume, sogenannte "Fenster der Geschichte", geähren heute Einblicke in die verschiedenen Bauphasen und Nutzungen des Gebäudes. Einen Überblick über die Baugeschichte gewinnt der Besucher in zwei Ausstellungsräumen des Ordensrundgangs mit neu angefertigten Schloßmodellen von hoher Präzision, einer Reihe interessanter Baufunde und einigen aufschlußreichen Schautafeln.

So wird der vielgestaltige Mergentheimer Schloßkomplex mit zahlreichen anmutigen Details, mit Schnörkelgiebeln der Renaissance, geschwungen barocken Turmhauben und teils reichgegliederten Fassaden, aber auch mit Partien trutzigen und wehrhaften Charakters, unversehens zum wichtigsten Exponat. Die sich wandelnden Nutzungsansprüche der Schloßherren und -bewohner haben in den vergangenen neun Jahrhunderten immer wieder zu Um- und Anbauten im Inneren und Äußeren des Ensembles geführt. Nach der umfassenden Sanierung und dem grundlegenden Umbau ergänzen sich jetzt Gebäude und ausstellung in ihrer historischen Aussage wechselseitig, bilden nahezu eine Einheit.

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