Heinrich von Siebold (1852-1908)

Diplomat und Sammler

Monju Bosatsu
Als zweiter Sohn Philipp Franz von Siebolds in Boppard am Rhein geboren, verbrachte Heinrich die Jugendzeit in Bonn und Würzburg. Ohne Abitur und Universitätsstudium – und ohne Staatsbürgerschaft – kam er 1869 mit siebzehn Jahren nach Japan und arbeitete zunächst ehrenamtlich, dann als „Ortskraft“ für die österreichisch-ungarische Gesandtschaft in Tokyo.

Die höheren Ränge des diplomatischen Dienstes blieben ihm zeitlebens verschlossen. Dafür entfaltete er eine intensive Sammlertätigkeit. Damals befand sich Japan in jeder Hinsicht im Umbruch. Viele buddhistische Tempel wurden geschlossen und verfielen allmählich. Von 1871 bis 1875 war es zu einem anti-buddhistischen Bildersturm gekommen. Buddhistische Malereien, Skulpturen, Kultgeräte u.a. wurden vernichtet, weggeworfen oder spottbillig verkauft. Wie viele andere Ausländer sammelte auch Heinrich von Siebold mit Umsicht und Sachverstand.

Er hatte seit der Wiener Weltausstellung von 1873, auf der er als Dolmetscher der japanischen Delegation tätig war, die besten Kontakte zu den Wiener Museen. Da er den Markt in Japan so gut wie kein anderer kannte, gab es auch mit anderen großen deutschen Museen Absprachen, für sie ethnographische Sammlungen in Japan zu erwerben. Schon 1883 fand auf sein Betreiben hin eine erste Ausstellung seiner Sammlung in Wien statt, die er anschließend dem österreichischen Staat verkaufen wollte. Nachdem sein Angebot abgelehnt worden war, überließ er dem Österreichischen Handelsmuseum einen Teil der Ausstellungsstücke als Geschenk. 1888 erfolgte die spektakuläre Schenkung von mehr als 5200 Objekten (wobei einige Nummern mehrere Objekte umfassen können) an das Naturhistorische Hofmuseum, das spätere Museum für Völkerkunde. Für diese Schenkung verlieh ihm der Kaiser Franz Joseph I. die österreichische Staatsbürgerschaft und erhob ihn in den Freiherrenstand.

Heinrich von Siebold
1896 jährte sich der 100. Geburtstag seines Vaters. Aus diesem Anlass stellte er in den Räumen des ehemaligen Katzenwickerhofes, Maxstr. 4, in Würzburg die „Japanisch-chinesische Sammlung“ aus, die sehr gut besucht wurde. Zugleich widmete er sich zusammen mit seinem älteren Bruder Alexander der Aufgabe, das unvollendet gebliebene Werk des Vaters abzuschließen.

Wegen Krankheit bat er 1899, erst 46 Jahre alt, um den „zeitlichen Ruhestand“. Im Jahr zuvor hatte er Euphemia Carpenter, die Witwe eines britischen Majors, geheiratet. Sie kaufte das Schloss Freudenstein bei Bozen, wo sie zusammen die letzten Jahre in Wohlstand verbrachten, umgeben von einer noch immer reichen Sammlung. Er war ein gesuchter Berater in Fragen, die Ostasien betrafen, und Führer und Dolmetscher bei Besuchen aus Japan und China.

Am 11. August 1908 starb er auf Schloss Freudenstein, seine Witwe kurz danach. Seine immer noch umfangreiche Privatsammlung wurde ab März 1909 in Wien bei „Au Mikado“ verkauft und „in alle Winde zerstreut“.

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