Fachlehrplan für Mathematik an bayerischen Gymnasien KWMBl So.-Nr. 8/1991 |
Leistungskurs | (6) | |
Jahrgangsstufe 12 | ||
Infinitesimalrechnung | (ca. 68 Std.) | |
1 Messbarkeit von Flächen, Berechnung von Flächeninhalten, Begriff des bestimmten Integrals | (ca. 16 Std.) | ||
Die im Geometrieunterricht der Unter- und Mittelstufe durchgeführten elementaren Flächenmessungen gingen von einem anschaulich motivierten Inhaltsbegriff aus. Die Schüler erkennen nun anhand geeigneter Beispiele, dass das Konzept des Flächeninhalts neu überdacht werden muss, wobei die intuitiv vorausgesetzten Eigenschaften als Richtschnur dienen. Diese Überlegungen führen zum Begriff des bestimmten Integrals, mit dessen Hilfe die Schüler krummlinig begrenzte Flächen zu berechnen lernen und damit erneut die Tragweite des Grenzwertbegriffs der Infinitesimalrechnung erfahren. Auf die geschichtliche Entwicklung der Integralrechnung soll im Unterricht eingegangen werden. | |||
| - | Messbarkeit von Flächen |
Axiome des Flächeninhalts: Nichtnegativität, Normiertheit, Additivität | |
| - | Berechnung von Flächeninhalten durch Grenzprozesse |
Streifenmethode, auch mit verschieden breiten Streifen; | |
| - | das bestimmte Integral als Grenzwert von Summenfolgen; |
Begriffe: Untersumme, Obersumme; | |
2 Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung und seine Anwendung | (ca. 16 Std.) | ||
Bei stetigen Integranden ermöglicht die Differentialrechnung in zahlreichen Fällen die Auswertung bestimmter Integrale, wofür der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung die Grundlage bietet. Die Schüler sollen an dieser Stelle erneut erfahren, wie erfolgreich die Infinitesimalrechnung gerade auch zur Lösung anspruchsvoller Probleme eingesetzt werden kann. Anhand anwendungsbezogener Beispiele wird sich die praktische Bedeutung des Hauptsatzes deutlich herausstellen. | |||
| - | Integralfunktion; |
Beweis des Hauptsatzes; | |
| - | Stammfunktion und Berechnung des bestimmten Integrals mit Hilfe einer Stammfunktion; |
Stammfunktionen von | |
| - | Anwendungen |
insbesondere Berechnung von Flächeninhalten; | |
Anstatt mit der Berechnung von Flächeninhalten zu beginnen, kann man auch die Stammfunktion an den Anfang stellen. | |||
3 Logarithmusfunktionen und Exponentialfunktionen, | (ca. 26 Std.) | ||
Die Untersuchung der Integralfunktion von | |||
| - | die natürliche Logarithmusfunktion und ihre Eigenschaften; |
die Integralfunktion | |
die Eulersche Zahl e |
Definition von e durch | ||
| - | Grenzwertdarstellung für die Zahl e |
| |
| - | Umkehrfunktionen und ihre Ableitung |
Wiederholung der Begriffe Umkehrbarkeit einer Funktion und Umkehrfunktion; | |
| - | die natürliche Exponentialfunktion als Umkehrfunktion der ln-Funktion;
Eigenschaften der e-Funktion |
Herleitung der Eigenschaften aufgrund des Zusammenhangs mit der ln-Funktion | |
| - | allgemeine Exponentialfunktionen bzw. |
Darstellung mit Hilfe der e-Funktion bzw. der ln-Funktion; | |
| - | Aufgaben und Anwendungen |
Kurvendiskussionen; | |
4 Rationale Funktionen* | (ca. 10 Std.) | ||
Mit den gebrochenrationalen Funktionen lernen die Schüler Funktionen kennen, bei deren Untersuchung die bisherigen Kenntnisse und Arbeitstechniken aus der Infinitesimalrechnung auf vielfältige Weise zum Einsatz kommen. Dies gilt insbesondere für anspruchsvollere Kurvendiskussionen. Dabei sollen die Schüler einen Einblick in die zahlreichen interessanten Anwendungsmöglichkeiten rationaler Funktionen in Naturwissenschaft und Technik erhalten. | |||
| - | rationale Funktionen und ihre Eigenschaften; |
Definitionsmenge; | |
| - | Anwendungen rationaler Funktionen in Naturwissenschaft und Technik |
( | |
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Wahrscheinlichkeitsrechnung/Statistik | (ca. 52 Std.) | ||
1 Zufallsexperimente; Mathematisierung realer Vorgänge | (ca. 8 Std.) | ||
Probleme aus dem Alltag, aus den Naturwissenschaften und den Sozialwissenschaften führen auf den Begriff des Zufallsexperiments, mit dem nicht kausal erschließbare Vorgänge beschrieben werden können. Die Schüler sollen lernen, reale Situationen durch mathematische Modelle zu erfassen und die dabei eingeführten Sprechweisen und Begriffe sachgerecht zu verwenden. | |||
| - | Zufallsexperimente; |
Glücksspiele, Urnenexperimente | |
Ergebnisse und Ergebnisraum; |
Beschränkung auf endliche Ergebnisräume; | ||
2 Relative Häufigkeit und Wahrscheinlichkeitsbegriff | (ca. 8 Std.) | ||
Bei einfachen Zufallsexperimenten lernen die Schüler, relative Häufigkeiten von Ereignissen experimentell zu bestimmen und graphisch darzustellen. Die Eigenschaften der relativen Häufigkeit motivieren die Einführung des axiomatischen Wahrscheinlichkeitsbegriffs nach Kolmogorow. Frühere Versuche zur Definition von Wahrscheinlichkeiten sollen diskutiert werden, um den Schülern die Schwierigkeiten bei der Festlegung dieses Begriffs bewusstzumachen. | |||
| - | relative Häufigkeit eines Ereignisses; |
Versuchsreihen, z. B. Münzwurf, Würfelwurf, Ziehen aus einer Urne; | |
| - | empirisches Gesetz der großen Zahlen |
Stabilisierung der relativen Häufigkeit | |
| - | historische Entwicklung des Wahrscheinlichkeitsbegriffs;
Wahrscheinlichkeitsmaß, Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses; |
klassischer Wahrscheinlichkeitsbegriff von Laplace; | |
3 Einführung in die Kombinatorik | (ca. 8 Std.) | ||
Zahlreiche Vorgänge in der Wirklichkeit lassen sich durch mehrstufige Zufallsexperimente mathematisch beschreiben. In der Kombinatorik lernen die Schüler, die möglichen Ausgänge solcher Experimente durch geschickte Darstellung und durch systematisches Zählen zu erfassen. Damit können Laplace-Wahrscheinlichkeiten auch in komplizierteren Fällen berechnet werden. | |||
| - | mehrstufige Zufallsexperimente; |
insbesondere Urnenmodell: Ziehen mit Zurücklegen, Ziehen ohne Zurücklegen;
Baumdiagramme, Pfade | |
| - | k-Tupel, k-Permutationen, k-Teilmengen,
k-Kombinationen aus einer n-Menge; |
| |
| - | Anwendungen |
insbesondere Berechnung von Laplace-Wahrscheinlichkeiten | |
4 Bedingte Wahrscheinlichkeit, Unabhängigkeit von Ereignissen | (ca. 8 Std.) | ||
Etwa bei Urnenexperimenten kann man feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses von den zur Verfügung stehenden Informationen abhängen kann. Diese Tatsache wird mit Hilfe der bedingten Wahrscheinlichkeit genau beschrieben und führt zu den mathematischen Begriffen Unabhängigkeit und Abhängigkeit von Ereignissen. Die Schüler sollen verstehen, wie die Verwendung dieser Begriffe eine Entscheidung darüber unterstützen kann, ob Vorgänge einander beeinflussen oder nicht. | |||
| - | bedingte Wahrscheinlichkeit |
Definition durch | |
| - | Formel von Bayes |
Lösung eines Umkehrproblems; | |
| - | Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit zweier Ereignisse; |
Abgrenzung des Begriffs Unabhängigkeit vom Begriff Unvereinbarkeit; | |
| - | Aufgaben und Anwendungen |
etwa zur Bevölkerungsstatistik | |
5 Zufallsgrößen und ihre Verteilungsfunktionen | (ca. 8 Std.) | ||
Beispiele von Glücksspielen oder aus dem Versicherungswesen zeigen, dass in der Praxis den Ergebnissen von Zufallsexperimenten häufig Zahlen zugeordnet werden, etwa ein Gewinn bzw. eine Prämie. Die so entstehenden reellwertigen Funktionen bezeichnet man als Zufallsgrößen. Zu ihrer Charakterisierung dienen Wahrscheinlichkeitsfunktionen und Verteilungsfunktionen. Die Schüler sollen hier eine hilfreiche Anbindung der Wahrscheinlichkeitsrechnung an die Infinitesimalrechnung erfahren. | |||
| - | Zufallsgrößen |
| |
| - | Wahrscheinlichkeitsverteilung, Wahrscheinlichkeitsfunktion und Verteilungsfunktion einer Zufallsgröße |
Definition und Eigenschaften; | |
| - | gemeinsame Wahrscheinlichkeitsfunktion zweier Zufallsgrößen;
Unabhängigkeit zweier Zufallsgrößen; |
Definition als reellwertige Funktion zweier reeller Variablen | |
6 Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung | (ca. 8 Std.) | ||
Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung dienen der groben Charakterisierung von Zufallsgrößen. In der Praxis stellt sich oft die Frage, ob bestimmte zufällige Ereignisse, etwa beim Klima, noch in den Rahmen des Üblichen fallen oder als ungewöhnlich zu bewerten sind. In übersichtlichen Situationen sollen die Schüler lernen, solchen Fragen mit Hilfe der genannten Maßzahlen genauer nachzugehen. | |||
| - | Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung einer Zufallsgröße |
Definition, Verständnis für die Begriffsbildung; | |
| - | Aufgaben und Anwendungen |
( | |
Analytische Geometrie | (ca. 48 Std.) | ||
1 Rechnen mit Vektoren im Anschauungsraum; Vektorräume | (ca. 10 Std.) | ||
Der Vektorbegriff ist bereits in der ebenen Geometrie der Mittelstufe anschaulich eingeführt worden und hat auch in der Physik gute Dienste geleistet. Daran anknüpfend soll er nun im Anschauungsraum erklärt werden. Hier sollen die Schüler auch den sicheren Umgang mit Vektoraddition und S-Multiplikation lernen. Die erarbeiteten Rechenregeln werden dann als Axiome des abstrakten reellen Vektorraums betrachtet. | |||
| - | Vektorbegriff |
Vektor als Menge aller parallelgleichen Pfeile im Anschauungsraum, Repräsentanten eines Vektors; | |
| - | Vektoraddition, |
anschauliche Motivation durch Verkettung von Translationen bzw. durch die zentrische Streckung; | |
| - | reeller Vektorraum |
Vektorraumaxiome; | |
2 Lineare Abhängigkeit und Unabhängigkeit von Vektoren; | (ca. 14 Std.) | ||
Die Verbindung von Vektoraddition und S-Multiplikation führt zu Linearkombinationen von Vektoren. Von dort gelangt man weiter zum Begriff der linearen Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von Vektoren und zu den Begriffen Basis und Dimension eines Vektorraums. Beim Versuch, einen Vektor als Linearkombination von Vektoren darzustellen, ergeben sich in natürlicher Weise lineare Gleichungssysteme. Die Schüler sollen die neuen Begriffe sachgerecht verwenden und die Lösungsmengen linearer Gleichungssysteme mit zwei oder drei Unbekannten sicher bestimmen können. Darüber hinaus sollen sie das Gaußsche Eliminationsverfahren als leistungsfähige Lösungsmethode für beliebige lineare Systeme erkennen. | |||
| - | Linearkombination von Vektoren; |
allgemeine Definition für reelle Vektorräume; | |
| - | Basis und Dimension eines reellen Vektorraums |
| |
| - | lineare Gleichungssysteme |
homogene und inhomogene Systeme mit zwei oder drei Unbekannten; | |
3 Koordinatendarstellung von Vektoren; Vektorraum und Punktraum | (ca. 7 Std.) | ||
Jeder Vektor eines Vektorraums ist bezüglich einer fest gewählten Basis eindeutig als Linearkombination und damit in Koordinaten darstellbar. Nach Wahl eines Bezugspunktes kann man die Lage eines jeden Punktes im Anschauungsraum durch einen Vektor eindeutig beschreiben. Die Schüler sollen den Zusammenhang zwischen dem seit langem vertrauten Begriff des Koordinatensystems in der Ebene bzw. im Anschauungsraum und dem neuen Begriff der Basis des Vektorraums | |||
| - | Koordinaten eines Vektors bezüglich einer Basis |
Eindeutigkeit der Basisdarstellung; | |
| - | Punkte und ihre Ortsvektoren, |
Unterscheidung zwischen Vektorraum und Punktraum | |
| - | Teilverhältnis |
innere und äußere Teilung einer Strecke, harmonische Teilung; | |
4 Geraden- und Ebenengleichungen | (ca. 6 Std.) | ||
Vektoren ermöglichen die einfache Beschreibung von Geraden und Ebenen des Anschauungsraums durch Gleichungen in Parameterform. Eliminieren der Parameter führt zur Koordinatendarstellung von Geraden in der Ebene und von Ebenen im Raum. Die Schüler sollen lernen, anschaulich zu argumentieren und die Darstellungsformen sorgfältig zu unterscheiden. Sie sollen auch Sicherheit in der zeichnerischen Darstellung räumlicher Situationen gewinnen. | |||
| - | Geraden- und Ebenengleichungen in vektorieller Parameterform |
Hinweis auf Nichteindeutigkeit der Darstellung; | |
| - | Geraden- und Ebenengleichungen in Koordinatenform |
Gewinnen der Koordinatenform durch Eliminieren der Parameter; auch umgekehrt Aufstellen einer Parameterform aus einer Koordinatenform; | |
5 Lagebeziehungen zwischen Punkten, Geraden und Ebenen | (ca. 6 Std.) | ||
Die Schüler sollen lernen, Lagebeziehungen von Punkten, Geraden und Ebenen rechnerisch zu untersuchen, Schnittpunkte bzw. Schnittgeraden sicher zu bestimmen und sich die gegenseitige räumliche Lage der geometrischen Objekte vorzustellen. Dabei wird auf die Kenntnisse über lineare Gleichungssysteme zurückgegriffen. | |||
| - | Lagebeziehungen von Punkten und Geraden in der Ebene |
auch geometrische Deutung von linearen (2,2)-Systemen | |
| - | Lagebeziehungen von Punkten, Geraden und Ebenen im Raum |
geometrische Interpretation rechnerischer Ergebnisse; | |
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