Fachlehrplan für Mathematik an bayerischen Gymnasien KWMBl So.-Nr. 8/1991 |
Grundkurs | (3) | |
Jahrgangsstufe 12 | ||
Infinitesimalrechnung | (ca. 40 Std.) | |
1 Berechnung von Flächeninhalten, das bestimmte Integral | (ca. 9 Std.) | ||
Die Berechnung der Inhalte elementarer Flächen im Geometrieunterricht der Unter- und Mittelstufe erreicht bei der Kreismessung ihren Höhepunkt. Damit haben die Schüler bereits typische, mathematikgeschichtlich interessante Vorgehensweisen bei der Flächenmessung kennengelernt und können nun die Berechnung allgemeiner krummlinig begrenzter Flächen als naheliegende Erweiterung dieses Themenkreises verstehen. Mit dem bestimmten Integral begegnet ihnen in diesem Zusammenhang eine eindrucksvolle Anwendung des Grenzwertbegriffs der Infinitesimalrechnung. | |||
| - | Berechnung von Flächeninhalten durch Grenzprozesse |
Streifenmethode; | |
| - | das bestimmte Integral als Grenzwert von Summenfolgen; |
Begriffe: Untersumme, Obersumme; | |
2 Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung | (ca. 13 Std.) | ||
Der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung verbindet Differenzieren und Integrieren und ermöglicht in vielen Fällen eine schnelle Auswertung bestimmter Integrale ohne mühsame Grenzwertberechnung. Vor allem bei anwendungsbezogenen Beispielen soll den Schülern die praktische Bedeutung des Hauptsatzes bewusst werden. | |||
| - | Integralfunktion; |
Beim Beweis des Hauptsatzes kann man sich auf monotone stetige Funktionen beschränken. | |
| - | Stammfunktion und Berechnung des bestimmten Integrals mit Hilfe einer Stammfunktion; |
Stammfunktionen von | |
| - | Anwendungen |
insbesondere Berechnung von Flächeninhalten | |
Anstatt mit der Berechnung von Flächeninhalten zu beginnen, kann man auch die Stammfunktion an den Anfang stellen. | |||
3 Logarithmusfunktionen und Exponentialfunktionen, | (ca. 18 Std.) | ||
Logarithmusfunktionen und Exponentialfunktionen spielen bei der Beschreibung vieler technisch-naturwissenschaftlicher, wirtschaftlicher und soziologischer Probleme eine wichtige Rolle. Die Schüler sollen daher die Eigenschaften dieser Funktionen kennenlernen. Die Beschäftigung mit diesen Funktionen bietet eine hervorragende Gelegenheit zur Wiederholung und Vertiefung der Methoden der Infinitesimalrechnung. Ein zentrales Anliegen des Unterrichts muss es sein, die Schüler anhand vielfältiger Anwendungen aus den oben genannten Bereichen von der Bedeutung der Logarithmusfunktionen und der Exponentialfunktionen zu überzeugen ( | |||
| - | Exponentialfunktionen
und ihre Eigenschaften |
Wiederholung aus der Mittelstufe | |
| - | Ableitung von Exponentialfunktionen; |
| |
| - | die Eulersche Zahl e und ihre Grenzwertdarstellung |
Definition von e mit Hilfe anschaulicher Überlegungen durch | |
| - | die Exponentialfunktion zur Basis e und ihre Eigenschaften |
auch Behandlung von | |
| - | die natürliche Logarithmusfunktion als Umkehrfunktion der e-Funktion und ihre Ableitung; |
geometrischer Zusammenhang zwischen den Tangenten in entsprechenden Graphenpunkten von Funktion und Umkehrfunktion | |
| - | Darstellung allgemeiner Exponentialfunktionen bzw. Logarithmusfunktionen mit Hilfe der e-Funktion bzw. der ln-Funktion | ||
| - | Aufgaben und Anwendungen |
Kurvendiskussionen, auch mit einfachen Integrationen | |
Anstatt des hier vorgesehenen Weges kann man auch mit der Einführung der Logarithmusfunktion als Integralfunktion von | |||
Wahrscheinlichkeitsrechnung/Statistik | (ca. 44 Std.) | ||
1 Zufallsexperimente | (ca. 6 Std.) | ||
Probleme aus dem Alltag, aus den Naturwissenschaften und den Sozialwissenschaften führen auf den Begriff des Zufallsexperiments, mit dem nicht kausal erschließbare Vorgänge beschrieben werden können. Die Schüler sollen lernen, in einfachen Fällen reale Situationen durch mathematische Modelle zu erfassen und die dabei eingeführten Sprechweisen und Begriffe sachgerecht zu verwenden. | |||
| - | Zufallsexperimente; |
Glücksspiele, Urnenexperimente | |
Ergebnisse und Ergebnisraum; |
Beschränkung auf endliche Ergebnisräume; | ||
2 Relative Häufigkeit und Wahrscheinlichkeitsbegriff | (ca. 6 Std.) | ||
Bei einfachen Zufallsexperimenten lernen die Schüler, relative Häufigkeiten von Ereignissen experimentell zu bestimmen und graphisch darzustellen. Die Eigenschaften der relativen Häufigkeit führen zur Definition der Wahrscheinlichkeit nach Kolmogorow. Auf die historische Entwicklung des Wahrscheinlichkeitsbegriffs soll eingegangen werden. | |||
| - | relative Häufigkeit eines Ereignisses; Eigenschaften; |
Versuchsreihen, z. B. Münzwurf, Würfelwurf, Ziehen aus einer Urne; | |
empirisches Gesetz der großen Zahlen |
Stabilisierung der relativen Häufigkeit | ||
| - | Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses |
Axiome nach Kolmogorow, Folgerungen; | |
3 Einführung in die Kombinatorik | (ca. 9 Std.) | ||
Zahlreiche Vorgänge in der Wirklichkeit lassen sich durch mehrstufige Zufallsexperimente mathematisch beschreiben. In der Kombinatorik lernen die Schüler, die möglichen Ausgänge solcher Experimente durch geschickte Darstellung und durch systematisches Zählen zu erfassen. Damit können Laplace-Wahrscheinlichkeiten auch in komplizierteren Fällen berechnet werden. | |||
| - | mehrstufige Zufallsexperimente;
allgemeines Zählprinzip |
insbesondere Urnenmodell: Ziehen mit Zurücklegen, Ziehen ohne Zurücklegen;
Baumdiagramme, Pfade | |
| - | k-Tupel, k-Permutationen, k-Teilmengen aus einer n-Menge;
Formeln für ihre Anzahl |
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| - | Anwendungen |
insbesondere Berechnung von Laplace-Wahrscheinlichkeiten | |
4 Unabhängigkeit zweier Ereignisse | (ca. 4 Std.) | ||
Es ist eine Alltagserfahrung, dass manche Vorgänge einander nicht beeinflussen, andere dagegen wohl. Mit den mathematischen Begriffen Unabhängigkeit und Abhängigkeit zweier Ereignisse wird diese Erfahrung modelliert. Die Schüler sollen einsehen, dass die Anwendung dieser Begriffe in der Praxis eine Entscheidung in unklaren Fällen unterstützen kann. | |||
| - | Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit zweier Ereignisse;
Produktformel |
Abgrenzung des Begriffs Unabhängigkeit vom Begriff Unvereinbarkeit | |
5 Bernoulli-Kette und Binomialverteilung | (ca. 12 Std.) | ||
Die Bernoulli-Kette, der einfachste Typ eines mehrstufigen Zufallsexperiments, liefert ein aussagekräftiges und gut verständliches Modell für viele Vorgänge, z. B. in der Wirtschaft und im Gesundheitsbereich. Bei der Untersuchung von Bernoulli-Ketten lernen die Schüler am Beispiel der Binomialverteilung den zentralen Begriff der Wahrscheinlichkeitsverteilung kennen. | |||
| - | Bernoulli-Experiment,
Bernoulli-Kette |
Verwenden von Urnenmodell und Baumdiagrammen; | |
| - | Binomialverteilung |
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6 Testen von Hypothesen in einfachen Fällen | (ca. 7 Std.) | ||
Beim Testen einer Hypothese wird eine Vermutung oder eine Behauptung über die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses mit Hilfe eines geeigneten Testverfahrens angenommen oder abgelehnt. In beiden Fällen ist die Entscheidung mit einer gewissen Irrtumswahrscheinlichkeit behaftet. Die Schüler sollen diese Problematik verstehen ( | |||
| - | Testen einer Hypothese |
Alternativtest, Signifikanztest; | |
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