Das 1907 aus dem Geist von Jugendstil und Klassizismus errichtete Schulgebäude am Rennweger Ring 11, das mit seinen beiden markanten Flügeln und dem hohen Schulturm wohl ganz bewusst einer "Ritterburg" nachempfunden ist, strahlt schon in seiner Baugestalt - wie Heiner Reitberger rühmt - "stets würdig-heitere Ruhe" aus. Bemerkenswert ist der Blick von der Festung oder von der Steinburg auf das Gebäude, das wie kaum ein anderer Profanbau das Stadtbild prägt. Das Königliche Realgymnasium, das hier Einzug hielt, wurde bereits 1864 aus dem Gedanken gegründet, den "Realien", also den modernen Fremdsprachen und den Naturwissenschaften den ihnen gebührenden Platz einzuräumen. Seit seiner Gründerzeit war es die bevorzugte Schule des liberalen Bürgertums und zugleich der jüdischen Bürger, bis diese Symbiose mit dem Dritten Reich unwiederbringlich zerbrach. Heute liegt eine Besonderheit des Siebold-Gymnasiums in seiner Ausrichtung auf nur einen Schulzweig, das Neusprachliche Gymnasium: Seit 1982 besitzt die Schule einen Zweig mit Französisch als erster Fremdsprache und bietet damit den Schülerinnen und Schülern der 5. Klasse drei Fremdsprachen zur Wahl an (die zugleich Pflichtfremdsprachen sind).


Als das Königliche Realgymnasium 1864 aus der Taufe gehoben wurde, lebte Philipp Franz von Siebold eher zufällig wieder in seiner Heimatstadt Würzburg und war längst eine Berühmtheit, hoch ausgezeichnet als der wissenschaftliche Entdecker Japans. Wenn sich das Realgymnasium beinahe ein Jahrhundert nach seinem Tod - im Jahr 1961 - den Namen "Siebold" gab, so war dies eine glückliche und segensreiche Wahl. Sie sollte auch etwas über die Tradition des Realgymnasiums aussagen, seine damals stärker als heute spürbare Verwurzelung im Bildungsbürgertum der Stadt. Die Schule benannte sich nicht nur nach Philipp Franz, sondern nach der gesamten Würzburger Ärzte- und Naturforscherfamilie Siebold. Sie verpflichtete sich mit der Namensgebung auf den Bildungsauftrag, den Leben und Werk Philipp Franz von Siebolds so hervorragend verkörpern: das Drängen auf wissenschaftliche Erkenntnis, die vorurteilsfreie Begegnung mit fremden Kulturen und die intensive Beschäftigung mit den Fremdsprachen als unverzichtbare Basis moderner Welterfahrung. Schade nur, so geht es einem durch den Kopf, daß der Schulalltag wohl nur wenig von dem Abenteuer zu vermitteln vermag, das Siebolds Forscherleben so sehr prägte.


Als das Königliche Realgymnasium 1864 aus der Taufe gehoben wurde, lebte Philipp Franz von Siebold eher zufällig wieder in seiner Heimatstadt Würzburg und war längst eine Berühmtheit, hoch ausgezeichnet als der wissenschaftliche Entdecker Japans. Wenn sich das Realgymnasium beinahe ein Jahrhundert nach seinem Tod - im Jahr 1961 - den Namen "Siebold" gab, so war dies eine glückliche und segensreiche Wahl. Sie sollte auch etwas über die Tradition des Realgymnasiums aussagen, seine damals stärker als heute spürbare Verwurzelung im Bildungsbürgertum der Stadt. Die Schule benannte sich nicht nur nach Philipp Franz, sondern nach der gesamten Würzburger Ärzte- und Naturforscherfamilie Siebold. Sie verpflichtete sich mit der Namensgebung auf den Bildungsauftrag, den Leben und Werk Philipp Franz von Siebolds so hervorragend verkörpern: das Drängen auf wissenschaftliche Erkenntnis, die vorurteilsfreie Begegnung mit fremden Kulturen und die intensive Beschäftigung mit den Fremdsprachen als unverzichtbare Basis moderner Welterfahrung. Schade nur, so geht es einem durch den Kopf, daß der Schulalltag wohl nur wenig von dem Abenteuer zu vermitteln vermag, das Siebolds Forscherleben so sehr prägte. Der Stammvater der Würzburger Siebold ist Carl Caspar von Siebold (1736-1807), der 1760 als Wundarzt in Würzburg ansässig wurde. Der Fürstbischof übertrug ihm die Leitung des Juliusspitals und die Professur für Chirurgie, Anatomie und Geburtshilfe. 1801 wurde er wegen seiner Verdienste um die Verwundetenbetreuung in den Adelsstand erhoben. Die Medizinische Fakultät der Alma Julia verdankt Carl Caspar ihren Aufstieg, neben weiteren Schülern lehrten hier drei seiner Söhne Medizin, so daß man im Scherz von der "Academia Sieboldiana" sprach. Einer von ihnen, der Professor für Medizin und Geburtshilfe Christoph Siebold (1767 - 1798), war der Vater von Philipp Franz, der am 17. Februar 1796 das Licht der Welt erblickte. In Würzburg studierte Philipp Franz von Siebold Medizin und Naturwissenschaften, um sich zunächst als Arzt in Heidingsfeld niederzulassen. Als Sanitätsoffizier in niederländischen Diensten kam er im April 1823 nach Batavia (heute Djakarta) auf Java, von wo er nach Deshima, einer kleinen künstlichen Insel im Hafen von Nagasaki, segelte. Die Holländer waren die einzigen Europäer, die mit Japan Handel treiben durften. In der niederländischen Faktorei wirkte er auch als wissenschaftlicher Lehrer. So zeigte er den Japanern erstmals die Pockenschutzimpfung und führte Staroperationen durch. Weiterhin legte er einen Botanischen Garten mit weit über tausend Pflanzen an, der heute als Gedenkstätte rekonstruiert worden ist. Siebold lernte die junge Taki Kusomoto, genannt Sonogi, kennen, die als "Kurtisane" zu ihm auf die Insel Dehsima zog. 1827 wurde beiden die Tochter Ine geboren, die später als erste japanische Frauenärztin zu großem Ansehen gelangte. 1826 unternahm Philipp Franz eine Reise nach Edo (Tokyo) an den Hof des Shogun. Sie dauerte zwei Monate und führte über 600 Kilometer Land und 400 Kilometer Seeweg ins Innere Japans, das damals kaum ein Europäer gesehen hatte. Siebold nutzte die Reise zur wissenschaftlichen Erforschung und Beschreibung des Landes und brachte neben vielen Büchern, Handschriften, Zeichnungen und Gemälden auch genaue, bislang geheimgehaltene Karten mit, die er durch seine Freundschaft mit dem Hofastronomen Takahashi erhalten hatte. Nach Denunziation erfuhren die japanischen Behörden davon und verwiesen Siebold 1829 "auf ewig" des Landes. Seine unter Gefahren erworbenen Sammlungen umfaßten 200 Exemplare Säugetiere, 900 Vögel, 750 Fische, 170 Reptilien und mehr als 5.000 Exemplare wirbelloser Tiere, 2.000 Pflanzenarten und 12.000 Hebariumspräparate. Siebold wurde in Leiden in den Niederlanden ansässig und schrieb hier seine Hauptwerke "Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan", "Die Flora Japonica" und die "Fauna Japonica". Diese Werke wurden zur Grundlage der modernen Japankunde. Aus den Gewächshäusern, die Siebold in Leiden errichtete, gelangten viele Arten der japanischen Flora, z.B. die Spiräe, Magnolie, Weigelie, Klematis und Glyzinie, in die europäischen Gärten. Der König der Niederlande erhob Philipp Franz zum "Jonkeer", und die wissenschaftlichen Akademien überhäuften ihn mit Auszeichnungen. 1859 konnte Philipp Franz von Siebold nach der Aufhebung der Verbannung zum zweiten Male nach Japan reisen. Seit der zwangsweisen Öffnung des Landes setzte die gebildete Welt Japans ganz auf die modernen Wissenschaften Europas, vor allem im Gesundheitswesen. Siebold wurde deshalb als Reformer begeistert empfangen. Als ihn die japanische Regierung als Berater heranzog, nötigte ihn der niederländische Generalkonsul aus Neid zur Rückkehr nach Europa. Philipp Franz ließ sich zunächst in Würzburg, später in München nieder, wo er am 18. Oktober 1866 an einer Blutvergiftung verstarb. Auf dem Alten Südlichen Friedhof in München erhielt er ein Ehrengrab.


Seit der Namensgebung im Jahr 1961 beteiligt sich die Schule sehr rege an der Pflege des geistigen Erbes, das sich mit der Familie Siebold verbindet, und unterhält enge Beziehungen zu allen, die den Namen "Siebold" tragen. Besonders freut sich die Schulleitung über die Aufmerksamkeit und freundliche Anerkennung, die sie immer wieder von der Familie Siebold erfährt, über viele Jahre in der Person des letzten "Namenspatrons" Dr. Friedrich Karl von Siebold (1897-1984) und - ein besonders denkwürdiges Ereignis - durch den Besuch von Herrn Constantin von Brandenstein-Zeppelin im Juli 1994. Der Anlass waren ein Japan-Tag mit vielen japanischen Gästen, der dem Erbe des Japanforschers Siebold gewidmet war, und das 130jährige Schuljubiläum. Seit 1986 wird am Siebold-Gymnasium Japanisch als Wahlunterricht gelehrt, die Judogruppe hatte ein Randori mit Judokas aus Würzburgs Partnerstadt Otsu, und Siebold-Schüler waren dabei, als die Siebold-Gesellschaft den Schüleraustausch mit Otsu ins Leben rief. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen wissenschaftlichen Aufsätze, die der Jahresbericht zum Thema "Siebold" veröffentlicht hat, häufig stammen sie aus der Feder von Studiendirektor i.R. Werner Dettelbacher, der so viel für die öffentliche Würdigung des Namenspatrons leistet.

(Text verfasst von Christian Roedig)
       


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