Aktuelle Stellungnahme gegen die A71:

Unbedingt nun bei den rot-grünen Abgeordneten Stellung nehmen gegen die A71 ! Die Novellierung des Bundesverkehrswegeplanes steht an.

Einwendung des AKANs gegen die A71


Fachschaftsinitiative Biologie

Theodor-Boveri-Institut für Biowissenschaften

Am Hubland

97074 Würzburg

An Rote und grüne MdBs

[ Hinweis: Dieses Schreiben ist noch nicht verschickt ]

Stellungnahme gegen die geplante A71 Schweinfurt - Erfurt im Bundesverkehrswegeplan

Würzburg, den 22.10.1998

In Kürze steht im Bundestag die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes an. Stellvertretend für die gesamte Grundlagenforschung fühlen wir uns verpflichtet, erneut auf die ökologische Problematik von Autobahnen hinzuweisen. Die Sichtung und Diskussion von umfangreichen Ergebnissen verschiedener internationaler Arbeitsgruppen im Bereich der Ökosystemforschung zwingt uns, vom Bau der A71 dringend abzuraten. Wir hatten bereits zu den drei unterfränkischen Planfeststellungsverfahren jeweils fristgerecht Einspruch erhoben, sind aber von der Regierung von Unterfranken als fachlich nicht kompetent abgewiesen worden. Wie die Erörterungstermine der Planfeststellungsabschnitte gezeigt haben, besteht weiterhin erheblicher Diskussionsbedarf an der Verkehrsprognose, die der A71 zugrunde liegt (Szenario H). Wir fordern daher die Wiedereröffnung des Raumordnungsverfahrens unter Berücksichtigung eines maßvollen Ausbaus der B19 und der Verlagerung von Verkehr auf die Bahnlinie (Szenario G).

Zudem fehlt bisher eine flächendeckende faunistische Erhebung für die Trassenkorridore der A71. Die Umweltverträglichkeitsstudie des Raumordnungsverfahrens nennt die wichtigen ökologischen Folgen des Baus, doch die Gesamtgewichtung legt den Schwerpunkt auf kurzfristige wirtschaftliche Belange und eine Fortschreibung der bisherigen Straßenverkehrseuphorie. Mit dem Bau des Abschnittes der A71 bei Suhl wurde begonnen, obwohl sich die Planfeststellungsverfahren in Unterfranken noch in der Anfangsphase befinden; diese Fehlinvestition darf nun nicht als Vorwand einer Gesamtverwirklichung dienen.

Die A71 soll zu einer bereits bestehenden Bundesstraße und Bahnlinie gebaut werden. Markierungs- und Wiederfangzählungen belegen, daß Straßen und insbesondere Autobah- nen für die meisten Tierarten unüberwindbare Hinternisse darstellen. Der langfristige Bestand einer Art ist auf Genaustausch zwischen Teilpopulationen angewiesen. Isolierte Teilpopulationen verarmen genetisch und werden mit sinkender Individuenzahl immer anfälliger für Schwankungen von Umweltfaktoren. Deren Selektionsdruck auf die Häufigkeitsentwicklung verschiedener Gene kann in Simulationsprogrammen verfolgt werden. Zudem nutzen individuenreiche Pionierarten Straßen als Wanderkorridore, von wo sie in Konkurrenz treten zu seltenen Arten angrenzender Biotope.

Der Bau der A71 würde eine gewachsene Kulturlandschaft mit einer Vielzahl von Biotopen beeinträchtigen, in denen eine Vielzahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten vorkommt.

Im Bahratal werden trotz des Brückenbaues die Baumaßnahmen und die Dämme ein Tal durchschneiden, wo wertvolle Fließgewässerlebensräume direkt neben Trockenstandorten und ausgedehnten Waldgebieten vorkommen. Der strukturreiche Lebensraumkomplex weißt viele Vorkommen gefährdeter bis vom Aussterben bedrohter Tierarten sowie stark gefährdete Pflanzenarten auf. Der Wald hat an den Steilhängen Schutzfunktion. In der Steilwand in der Nähe des Rückhaltebeckens brütet der Eisvogel. Das Saaletal beheimatet wertvolle Fließgewässer-Lebensräume und stellt eine überregionale Verbindungsachse dar zwischen den Trocken-Lebensräumen des Grabfeldes und den Muschelkalkbereichen im Streu-/Saale-/Lauertal. Die Böschungskanten werden von Vögeln und Schmetterlingen als Leitlinien genutzt.

In unserer ohnehin stark verinselten Landschaft sind zusammenhängende Waldflächen von besonderer Bedeutung. Verschiedenartige Waldbiotope sind von Zerschneidung und Flächenverlust betroffen: Der naturnahe mesophile Eichen-Heinbuchenwald "Eichholz" nördlich Rheinfeldshof ist ein sehr strukturreicher Lebensraumkomplex, wo stark gefährdete Tierarten vorkommen, die teilweise hohe Ansprüche an die Größe geeigneter Lebensräume haben oder sehr stör-anfällig sind. Die Lange Lohe ist ebenfalls ein naturnaher und großflächiger Eichen-Hainbuchen-Wald mit Übergang zum Seggen-Buchen-Wald. Das große zusammenhängende Waldgebiet des Hornburger Waldes bietet ebenfalls Lebensraum für Spezialisten und ist außerdem als Bodenschutzwald ausgewiesen. Am Westrand des Hornburger Waldes befinden sich Magerrasenreste, sind Standort zahlreicher, zum Teil gefährdeter Pflanzenarten und nach Art. 6d1 BayNatSchG geschützt. Dort wurden 1995 143 Tierarten bestimmt, davon 38 Vogelarten und 6 Arten der Gefährdungsstufe 2; viele Schmetterlingsarten, v.a. Bläulinge, haben sich auf die Blühpflanzen der Halbtrockenrasen spezialisiert. Die Tatsache, daß von 30 gefundenen Schmetterlingen 18 in der Roten Liste stehen, weist darauf hin, daß viele Arten auf die typischen Standortverhältnisse eines Halbtrockenrasens angewiesen sind. Die einer Vielzahl von stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietenden Flächen umfassen außerdem die Trockenlebensräume der südexponierten Hänge des Saaletales, des Bahratales und des Dippbachtales. Die Bedrohung dieser nährstoffarmen Flächen besteht in der Immision stickstoffhaltiger Abgase, Verlärmung, Zerschneidung und Flächenverlust. Der erhöhte Stickstoffeintrag ist bis zu einer Entfernung von 10 km nachweisbar.

Im Eichholz und der Langen Lohe sollen die Wanderbeziehungen von Amphibien zu ihren Laichgewässern zerschnitten werden. Da z.B. Erdkröten für ihr Leben lang auf ihr Geburtsgewässer geprägt sind, wird nur ein kleiner Teil der Populationen die Ersatzteiche finden, und ein großer Teil kann nicht ablaichen und ist daher für den Fortbestand der Population verloren.

Das auf den Böschungen und Dammflächen versickernde und abfließende Spritzwasser, das u.a. mit schwermetallhaltigem Reifenabrieb belastet ist, gelangt direkt in mehrere Trinkwasserschutzgebiet. Nachdem in der Verkehrspolitik Maßnahmen zur Verlagerung von Gefahrguttransporten auf die Schiene fehlen, ist das Risiko einer Verunfallung auch außerhalb der baulichen Schutzmaßnahmen hoch. Die nötigen Sicherungsmaßnahmen während dem Baubetrieb sind aufwendig und es ist damit zu rechnen, daß sie nur mangelhaft eingehalten werden, sie müßten daher ständig überprüft werden.

Da sich das Verkehrsaufkommen in erster Linie an den Kosten und der Kapazität der Infrastruktur orientiert, würde die A71 eine enorme Fahrzeugzahl durch bisher unbelastete Ge- biete leiten und andere Qualitäten der Region beeinträchtigen, wie Erholungswert. In immer stärkeren Maße stellen die gesundheitlichen Folgen von Benzol-, Toluol-, Stickoxid- und Rußausstoß, Ozonbildung und Lärm einen etwaigen Wohlstandsgewinn durch Infrastrukturausbau in Frage. Der überdüngt z. B. die Magerrasen in der Münnerstädter Region.

In der Verkehrspolitik fehlen entscheidende Schritte zur Verlagerung von Straßengüterverkehr auf die Schiene, eine stärkere Förderung der Bahn und des Öffentlichen Personenverkehrs. Für die Zielsetzung der Erschließung und Anbindung des südthüringischen Raumes und zur Bewältigung des vorhandenen und zu erwartenden Verkehrs ist die A71 überdimensioniert. Die ökologische Bilanzierung stellt einen guten methodischen Ansatz für flächenmäßigen Ausgleich dar, jedoch bleibt das Problem der Verinselung und des Anspruchs vieler bedrohter Arten auf ursprüngliche Habitate oder bisher unerkannte Habitatqualitäten. Wir halten die wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Aspekte für innerhalb des bestehenden Systems lösbar, dagegen bedeuten weitere umfangreiche Eingriffe in die Natur langfristig schwer abschätzbare Folgen und daher ein hohes Risiko für die Gesellschaft. Außerdem besitzt Mitteleuropa für die übrige Welt eine gewisse Schrittmacherfunktion und sollte daher nur noch in Infrastruktur investieren, deren ökologische Verträglichkeit langfristig im Vorteil ist.

Wir stehen für weitere Informationen gerne zur Verfügung und erwarten, daß Sie sich in Fragen der Verkehrspolitik und des Verkehrswegeplanes in unserem Sinne einsetzen.

mit freundlichen Grüßen


An
Regierung von Unterfranken
Sachgebiet 225
Postfach 6349
97013 Würzburg

     DP        29.10.1997
 

Einwendung zur Planfeststellung A71, Abschnitt Mellrichstadt - Münnerstadt

 

Die Planungen zur A71 Schweinfurt - Erfurt beinhalten Umweltverträglichkeitsuntersu-
chung und landschaftspflegerische Begleitplanung.
Ein wichtiges Ziel unseres Vereins ist die Wertschätzung und Erhaltung der Restnatur in
Unterfranken für bedrohte Arten. Da wir ökologischen Ausgleich für eine neue Autobahn
nur sehr eingeschränkt für möglich halten, müssen wir den Bau der A71  entschieden ab-
lehnen.
 Folgende Biotopkomplexe erscheinen uns besonders schützenswert:
Im nun vom Planfeststellungsverfahren betroffenen Abschnitt soll das Bahratal überquert
werden. Trotz des Brückenbaues werden die Baumaßnahmen und die Dämme ein Tal
durchschneiden, wo wertvolle Fließgewässerlebensräume direkt neben Trockenstandorten
und ausgedehnten Waldgebieten vorkommen. Der strukturreiche Lebensraumkomplex
weißt viele Vorkommen gefährdeter bis vom Aussterben bedrohter Tierarten sowie stark
gefährdete Pflanzenarten auf. Der Wald hat an den Steilhängen Schutzfunktion. In der
Steilwand in der Nähe des Rückhaltebeckens brütet der Eisvogel.
Das Saaletal beheimatet wertvolle Fließgewässer-Lebensräume und stellt eine überregio-
nale Verbindungsachse dar zwischen den Trocken-Lebensräumen des Grabfeldes und den
Muschelkalkbereichen im Streu-/Saale-/Lauertal. Die Böschungskanten werden von Vö-
geln und Schmetterlingen als Leitlinien genutzt.

In unserer ohnehin stark verinselten Landschaft sind zusammenhängende Waldflächen
von besonderer Bedeutung. Von Zerstückelung sind bedroht:
Nördlich Rheinfeldhof wäre von der A71-Trasse das Eichholz, ein arten- und strukturrei-
cher mesophiler Eichen-Hainbuchenwald, mit Altbäumen, niederwaldartigen Abschnitten
und wertvollen, teils flächig ausgebildeten Säumen mit Vorkommen zahlreicher gefährte-
ter Arten betroffen. Als großflächiger Lebensraum sichert er das Überleben von seltenen
störanfälligen Tierarten. Die Lange Lohe ist auch ein naturnaher und großflächiger Ei-
chen-Hainbuchen-Wald mit Übergang zum Seggen-Buchen-Wald.
 Das große zusammenhängende Waldgebiet des Hornburger Waldes bietet ebenfalls Le-
bensraum für Spezialisten und ist außerdem als Bodenschutzwald ausgewiesen.
Bei Rödelmaier soll der geschlossene Kiefernbestand des "Tannig" in einem 26 m tiefen
Einschnitt durchquert werden.

Am Westrand des Hornburger Waldes befinden sich Magerrasenreste, die nach Art. 6 Bay-
NatSchG (Biotop 85.02 - 85.03) geschützt sind.  Die strukurreichen Flächen stellen vor al-
lem für 30 Bläulings- und andere Schmetterlingsarten einen optimalen Lebensraum dar,
da dort ihre optimale Außentemperatur von 20 - 25(C durch die hohe Wärmespeicherfä-
higkeit des Kalkuntergrundes, durch Schattenarmut und Hanglage sehr schnell erreicht
wird.

Die einer Vielzahl von stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietenden
Flächen umfassen außerdem die Trockenlebensräume der südexponierten Hänge des Saa-
letales, des Bahratales und des Dippbachtales. Die Bedrohung dieser nährstoffarmen Flä-
chen besteht in der Immision stickstoffhaltiger Abgase, Verlärmung, Zerschneidung und
Flächenverlust.

Im Eichholz und der Langen Lohe sollen die Wanderbeziehungen von Amphibien zu ihren
Laichgewässern zerschnitten werden. Da z.B. Erdkröten für ihr Leben lang auf ihr Geburts-
gewässer geprägt sind, wird nur ein kleiner Teil der Populationen die Ersatzteiche finden,
und ein großer Teil ist für den Fortbestand der Art verloren.

Ferner soll die Bedeutung der Landschaft für Freizeit, Erholung und Tourismus geopfert
werden, z.B. der Radwanderweg im Bahratal wird mit Lärm und Abgasen beeinträchtigt.
Die Einbindung der breiten Trasse in das Landschaftsbild ist nur unzureichend möglich,
weil die Autobahn mit ihren hohen Dämmen, tiefen Einschnitten und Seitenwällen quer zu
den landschaftlichen Hauptstrukturen verläuft.

Unberücksichtigt bleibt bei den Ausgleichsflächen deren lange Entwicklungszeit. Wir for-
dern daher deren umgehende Anlegung und sorgfältige Vernetzung mit bestehenden Bio-
topen. Vor Erreichen einer qualitativen und quanitativen Mindest-Biodiversität dürfen kei-
nerlei bautechnische Eingriffe in die Natur erfolgen.

Wir fordern, daß die Nester von geschützten Ameisenarten im Trassenbereich kartiert wer-
den und von Mitgliedern des AKAN mit Hegeschein versetzt werden.

Die Trasse der A71 soll durch die Wasserschutzgebiete bei Hollstadt, Wülfershausen,
Rheinsfeldhof, Bad Neustadt/Löhrieth, Strahlungen und Mariabildhausen und durch die
Heilquellenschutzzone am Westrand des Eichholzes verlaufen. Beim Bau würde der stark
klüftige Muschelkalk freigelegt, und der saure Regen, das Cadmium aus Reifenabrieb, Alt-
öl, Säure und Streusalz können nahezu ungehindert in die Grundwasserseen vordringen.
Bautechnische Schutzmaßnahmen können nicht unbedingt einen unfallbedingt außer Kon-
trolle geratenen großen Gefahrguttransporter zurückhalten.
Ferner sind naturhistorisch interessante Siedlungsfunde z.B. des Jungneolithikums von der
Baumaßnahme betroffen.

Bei der Planfeststellung Mellrichstadt - Münnerstadt ist zu berücksichtigen, daß das Pro-
jekt auch in anderen Abschnitten massive Eingriffe in die Natur mit sich bringt; die Raum-
ordnung und Umweltverträglichkeit darf nicht als abgeschlossen hingenommen werden,
zumal der Planungsauftrag der A71 bereits 5 Jahre zurückliegt, und eine Korrektur der bis-
herigen Verkehrspolitik dringend ansteht.
Die Auswirkungen des Straßenverkehrs auf Mensch, Natur und Umwelt sind enorm, die langfristigen
Folgen auf die Überlebensfähigkeit vieler Tier- und Pflanzenarten sind bisher schwer abzusehen,
doch muß die fortschreitende Verinselung unserer Landschaft, in erster Linie durch Straßenbau, als
Hauptursache für das Verschwinden vieler Arten genannt werden.
Die Beeinträchtigung von Biotopen muß zusätzlich zusammen mit anderen Streßfaktoren wie Klimaerwärmung,
Luftschadstoffen und Waldsterben gesehen werden.

Nach wie vor stehen kurzfristige wirtschaftliche Argumente im Vordergrund, die von einer Fortschreibung
der bisherigen, einseitig den Straßenverkehr bevorzugenden Verkehrspolitik ausgehen, die aber langfristig
keinen Bestand haben kann aufgrund z.B. des hohen fossilen Energiebedarfs.
Der Bau würde riesige Finanzmittel erfordern, die einer anderweitigen, sinnvollen Förderung der
regionalen Wirtschaft und des öffentlichen Verkehrs nicht mehr zur Verfügung stehen. Das billige
Angebot weiterer Straßenkapazität würde zur Konkurrenz zuungunsten der unterfränkischen Wirtschaft
durch die östlichen Billiglohnländer beitragen.

Mit freundlichen Grüßen,

Insert from UHU