Der Igel

Stachelritter in Gebüsch, Feld und Garten

 

Igel gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten heute noch lebenden Säugetieren unserer Breiten. An Nahrung fehlt es ihnen eigentlich nie, denn Igel sind Insektenfresser. Sie zählen zwar zu den Warmblütlern, sind aber fähig in jahreszeitlich bedingten Perioden mit geringen Nahrungsangeboten ihre Körpertemperatur von ca. 35 °C bis auf etwa 4 °C abzusenken und so energiesparend auf "bessere Zeiten" zu warten.

 

Auch die Verteidigungsstrategie des Igels ist seit Millionen von Jahren hervorragend bewährt. Bei Gefahr rollt er sich ein und bietet dem Feind eine geschlossene, spitzstachelige Kugel. Es gibt nur wenige heimische Tiere, die die Chance haben, einen gesunden Igel zu erbeuten. Hierzu gehören vor allem die nachtjagenden großen Greifvögel.

Gefährdet ist der Igel seit einigen Jahren eigentlich nur durch den Menschen. Dieser macht ihm nicht nur den Lebensraum streitig, sondern er beraubt den Igel auch seiner Nahrung. Der Flurbereinigung fielen Hecken und Büsche als Begrenzung der Wiesen und Felder zum Opfer, großflächige Monokulturen zogen nur noch einige wenige, auf das einseitige Nahrungsangebot ausgerichtete Insekten an. Die Bearbeitung des Bodens mit schweren Maschinen vernichtete einen Großteil der Bodenlebewesen, voran den Regenwurm. Die Wälder, oft nur noch aus einer Baumsorte bestehend und zur bequemen Holzernte von Unterholz und Gestrüpp befreit, bieten ebenso kaum noch Unterschlupf und zu wenig Nahrung.

Der Igel, der ein besonders anpassungsfähiger Überlebenskünstler ist, zog sich daraufhin mehr und mehr in die Siedlungsgebiete der Menschen, in Dörfer, an Stadtränder, in die Parks und auch in die Friedhöfe der Städte sowie die Schrebergärten und Hausgärten zurück. Allerdings wird ihnen auch dort das Leben sehr schwer gemacht. Ein Garten hat ordentlich zu sein und daher wird aufgeräumt und alles äußerst penibel saubergehalten. Neben Schneckenkorn finden Insektizide, Herbizide und alle anderen chemischen Wässerchen und Mittelchen fleißig Einsatz.

Zu guter Letzt kommt noch der Straßenverkehr als Teil der menschlichen Ausrottungsversuche am Igel. Die plattgewalzten Igelleichen sind zwar immer noch sehr offensichtlich, jedoch dürfte der schweigende Großteil der durch den Menschen zu Tode gekommenen Igel durch die weiter oben stehenden Maßnahmen zu Tode gekommen sein. Nach einem Gutachten von Dr. J. Esser aus dem Jahr 1984 (Untersuchungen zur Frage der Bestandsgefährdung des Igels in Bayern) sind Dichtebestimmungen an freilebenden Igelpopulationen mit erheblichen methodischen Schwierigkeiten verbunden. Die Bestimmung absoluter Dichten erschien den Verfassern von vorne herein als unrealistisch, da bei Berücksichtigung des Raum-Zeit-Verhaltens der Igel eine Fläche von mindestens 40 Hektar, dem größten Wohngebiet eines Igels entsprechend, hätte abgedeckt werden müssen. Aus praktischen und zeitlichen Erwägungen war dies nicht durchführbar.

Es ist jedoch offensichtlich, daß der Igel zum Kulturfolger geworden ist. Dies wird durch Beobachtungen von Jägern, Förstern, Landwirten und anderen Personen aber auch durch die Zählungen überfahrener Igel auf Straßen kundig. Dies bedeutet jedoch nicht, daß der Igelbestand sich erhöht hat, wenn wir jetzt im Gartenbereich wesentlich häufiger Igel auffinden als noch vor 20 Jahren.

 

In Europa gibt es zwei Igelarten, den Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) der vorwiegend in Westeuropa vorkommt sowie den Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) den es hauptsächlich in Osteuropa gibt. Die Westgrenze des Weißbrustigels liegt im Bereich von Mecklenburg-Vorpommern, wo er als extrem selten einzustufen ist.

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger die man nachts hervorragend an ihrem lauten Schnaufen und Keckern orten kann. Igeljunge können ein helles, an Jungvögel erinnerndes Zwitschern hervorbringen.

Als Lebensraum bevorzugt der Igel ein deckungsreiches, trockenes Gelände. So bevorzugt er Heckenbereiche, Gebüsche, stark gegliederte Gärten und Parks sowie Waldränder. Er kommt in Höhen bis zu 1.100 m vor.

Die Nahrung des Igels ist vorwiegend fleischlich. Auf seiner Speisekarte stehen vor allen Dingen Schnecken, Regenwürmer, Raupen, Tausendfüßler Ohrwürmer, Laufkäfer und Asseln, seltener auch einmal nestjunge Mäuse und Aas. Pflanzliche Kost benötigt er vorwiegend als Ballaststoff und wird nur selten aufgenommen. Damit er in der Dunkelheit seine Nahrung auch auffinden kann, ist sein Geruchs- und Gehörsinn bis weit in den Ultraschallbereich hinaus ausgeprägt. Bei hellem Licht hat er jedoch ein äußerst schlechtes Sehvermögen.

 

Nach dem Winterschlaf, der von Oktober/November bis in den März/April hinein andauern kann kommen die Igel in der Zeit von April bis September vorwiegend jedoch in den Monaten Juli und August in die Paarung. Nach einer Tragzeit von rund 35 Tagen kommen die Jungen zur Welt. Die Igel werfen einmal im Jahr durchschnittlich 4 bis 7 Junge. Mit einem Geburtsgewicht von 15 bis 20 Gramm sind sie die reinen Leichtgewichte. Mit 14 bis 18 Tagen öffnen sich Augen und Ohren und einige Tage später brechen schon die Zähne durch. Bis zu 6 Wochen werden sie von ihrer Mutter gesäugt. Sie beginnen jedoch schon von der dritten Lebenswoche an auch selbst nach Nahrung zu suchen. Damit ein Igel gut über den Winter kommt sollte er schon ein Gewicht zwischen 350 und 500 Gramm auf die Waage bringen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß Igelmütter, die durch den Menschen am Nest gestört werden, ihre Jungen dadurch zu retten versuchen, indem sie die Kleinen ausquartieren. Dabei gehen oft genug einige der Jungen verloren. Wenn Sie daher durch Zufall eines der Nester entdecken, dann lassen Sie es bitte unberührt, so kann die Igelmutter ihre Jungen im alten Nest weiter betreuen.

Igel können vermutlich 4 bis 5 Jahre alt werden, selten mehr. Sie erreichen damit angesichts ihrer Größe schon ein erstaunliches Alter. Mit einer Länge von 30 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 1.500 Gramm sind die Tiere dann schon ziemliche "Brocken". Rund 8.000 Stacheln dienen der Wehr und können bei Bedarf aufgerichtet werden, wenn sich der Igel zu seinem Stachelball zusammenrollt.

Beide Geschlechter des Igels haben Zitzen, deren vorderste sich am Hals befindet. Man muß schon aufpassen um diese nicht mit Zecken zu verwechseln. Der einzig sichtbare Geschlechtsunterschied beim Igel ist die Lage der Geschlechtsteile. Männchen haben etwa in der Bauchmitte einen häutigen Knopf, den Penisaustritt. Weibchen haben beide Körperöffnungen eng zusammen unter der Schwanzwurzel. Man wird jedoch selten Gelegenheit haben einen Igel von unten zu begutachten, da sich die Tiere doch bei Berührung relativ schnell zusammenrollen. Geschlechtsreif sind Igel bereits 8 bis 10 Monate nach ihrer Geburt, wenn die Tiere vom Menschen aufgezogen und gepflegt worden sind zum Teil schon früher.

 

Wenn Sie dem Igel Gutes tun wollen, dann sollten Sie folgende Punkte beachten:

 

 

 

 

Schützen Sie den Igel!!

Helfen Sie mit und arbeiten Sie aktiv in Ihrem Garten an einer

igelgerechten Natur!

 

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