Stellungnahme gegen die geplante A71 Schweinfurt - Erfurt im Bundesverkehrswegeplan


In Kürze steht die Novellierung des Bundesverkehrswegeplanes im Bundestag an. Hier besteht nun nach dem Regierungswechsel und infolge fehlender Finanzen die Hoffnung, daß die A71 Schweinfurt - Erfurt aus dem Bedarf gestrichen wird. Es kommt auf den Einsatz jedes Bürgers an !

Warum die A71 nicht gebaut werden darf:

 

Die Planungen zur A71 Schweinfurt - Erfurt beinhalten Umweltverträglichkeitsuntersu-
chung und landschaftspflegerische Begleitplanung.
Ein wichtiges Ziel unseres Vereins ist die Wertschätzung und Erhaltung der Restnatur in
Unterfranken für bedrohte Arten. Da wir ökologischen Ausgleich für eine neue Autobahn
nur sehr eingeschränkt für möglich halten, müssen wir den Bau der A71  entschieden ab-
lehnen.

Eine Vielzahl von Biotopen wird unmittelbar tangiert oder beeinträchtigt.

Ferner soll die Bedeutung der Landschaft für Freizeit, Erholung und Tourismus geopfert
werden, z.B. der Radwanderweg im Bahratal wird mit Lärm und Abgasen beeinträchtigt.
Die Einbindung der breiten Trasse in das Landschaftsbild ist nur unzureichend möglich,
weil die Autobahn mit ihren hohen Dämmen, tiefen Einschnitten und Seitenwällen quer zu
den landschaftlichen Hauptstrukturen verläuft.

Unberücksichtigt bleibt bei den Ausgleichsflächen deren lange Entwicklungszeit. Wir for-
dern daher deren umgehende Anlegung und sorgfältige Vernetzung mit bestehenden Bio-
topen. Vor Erreichen einer qualitativen und quanitativen Mindest-Biodiversität dürfen kei-
nerlei bautechnische Eingriffe in die Natur erfolgen.

Wir fordern, daß die Nester von geschützten Ameisenarten im Trassenbereich kartiert wer-
den und von Mitgliedern des AKAN mit Hegeschein versetzt werden.

Die Trasse der A71 soll durch die Wasserschutzgebiete bei Hollstadt, Wülfershausen,
Rheinsfeldhof, Bad Neustadt/Löhrieth, Strahlungen und Mariabildhausen und durch die
Heilquellenschutzzone am Westrand des Eichholzes verlaufen. Beim Bau würde der stark
klüftige Muschelkalk freigelegt, und der saure Regen, das Cadmium aus Reifenabrieb, Alt-
öl, Säure und Streusalz können nahezu ungehindert in die Grundwasserseen vordringen.
Bautechnische Schutzmaßnahmen können nicht unbedingt einen unfallbedingt außer Kon-
trolle geratenen großen Gefahrguttransporter zurückhalten.
Ferner sind naturhistorisch interessante Siedlungsfunde z.B. des Jungneolithikums von der
Baumaßnahme betroffen.

Die Raumordnung und Umweltverträglichkeit darf nicht als abgeschlossen hingenommen werden,
zumal der Planungsauftrag der A71 bereits 5 Jahre zurückliegt, und eine Korrektur der bis-
herigen Verkehrspolitik dringend ansteht.
Die Auswirkungen des Straßenverkehrs auf Mensch, Natur und Umwelt sind enorm, die langfristigen Folgen auf die Überlebensfähigkeit vieler Tier- und Pflanzenarten sind bisher schwer abzusehen, doch muß die fortschreitende Verinselung unserer Landschaft, in erster Linie durch Straßenbau, als Hauptursache für das Verschwinden vieler Arten genannt werden.
Die Beeinträchtigung von Biotopen muß zusätzlich zusammen mit anderen Streßfaktoren wie Klimaerwärmung, Luftschadstoffen und Waldsterben gesehen werden.

Nach wie vor stehen kurzfristige wirtschaftliche Argumente im Vordergrund, die von einer Fortschreibung
der bisherigen, einseitig den Straßenverkehr bevorzugenden Verkehrspolitik ausgehen, die aber langfristig
keinen Bestand haben kann aufgrund z.B. des hohen fossilen Energiebedarfs.
Der Bau würde riesige Finanzmittel erfordern, die einer anderweitigen, sinnvollen Förderung der
regionalen Wirtschaft und des öffentlichen Verkehrs nicht mehr zur Verfügung stehen. Das billige
Angebot weiterer Straßenkapazität würde zur Konkurrenz zuungunsten der unterfränkischen Wirtschaft
durch die östlichen Billiglohnländer beitragen.

Mit freundlichen Grüßen,


Geplante A71 Schweinfurt - Erfurt : Sensible Flächen

Der unterfränkische Abschnitt ist in 3 Planfeststellungsabschnitte gegliedert, auf thyringischer Seite ist vor allem der Thüringer Wald betroffen.

Betroffene Biotope im Planfeststellungsabschnitt Pfersdorf –Schweinfurt:

Durch Zerschneidung und Flächenverlust wird insbesondere die Acker - Hecken - Wald- landschaft zwischen Pfersdorf und Konungen betroffen. Der Trenneffekt der Überbauung der Wern als naturnaher Fluß und des Grundbachgrabens als naturnaher Bach wäre erheb- lich. Weitere Beeinträchtigung von: - Maibach - Röstgrabental - Wald-Acker-Landschaft an der A70 - Hecken- und Gärtenzone bei Kronungen

Planfeststellungsabschnitt Münnerstadt – Pfersdorf:

Der weiträumige Komplex von differenzierten Trockenbiotopen unterschiedlicher Qualitä- ten auf dem Höhberg im Osten von Burglauer würde durch eine vierspurige Autobahn weitgehend entwertet. Der Nordhang des Lauertales östlich von Münnerstadt wurde sogar vom ABSP Bad Kissingen als sehr wertvoll und NSG-würdig eingestuft. Die Wacholderhei- de südöstlich von Burglauer ist ein bedeutender Orchideenstandort. Die Magerrasenflächen südöstlich von Münnerstadt und auf den Muschelkalkhängen am Thalwasser sind Standort zahlreicher, zum Teil gefährdeter Pflanzenarten und nach Art. 6d1 BayNatSchG geschützt. Dort wurden 1995 von A. Mangold 143 Tierarten bestimmt, davon 38 Vogelarten und 6 Arten der Gefährdungsstufe 2; viele Schmetterlingsarten, v.a. Bläulinge, haben sich auf die Blühpflanzen der Halbtrockenrasen spezialisiert. Die Tatsa- che, daß von 30 gefundenen Schmetterlingen 18 in der Roten Liste stehen, weist darauf hin, daß viele Arten auf die typischen Standortverhältnisse eines Halbtrockenrasens ange- wiesen sind. Das Artenspektrum eines Halbtrockenrasens ist auf Nährstoffarmut angewie- sen, die aber durch den Stickstoffeintrag aus den Autobahnabgasen zunichte gemacht wird. Zudem werden auch verschiedenartige Waldbiotope durch Zerschneidung und Flächenver- lust betroffen. Am Osthang des Thalwassers stehen wärmeliebende Mischwälder mit wert- voller, orchideenreicher Saumvegetation, südlich vom Thalwassertal Eichen-Heinbuchen- wald und Niederwald. Besondere Bedeutung für störanfällige Arten hat der Heimliche Berg westlich Rannungen als großflächiger Lebensraum, der sich darüberhinaus aus einem sehr komplex geglieder- ten System differenzierter Lebensräume zusammensetzt.

Hohe landschaftsökologische Bedeutung haben ferner:

- Naturnaher Eichen-Hainbuchenwald nördlich Althausen - Thalwasser-Nordhang südlich Poppenlauer - Mischwälder südlich Strahlungen und am "Aspich" nordöstlich Münnerstadt - Feldgehölz am Nordhang des Lauertales - Heckengebiet bei Poppenlauer

Die A71 gefährdet die gesundheitlich unbedenkliche Trinkwasserversorgung von Münner- stadt und Bad Kissingen. Das WSG der TGA der beiden Städte soll in der Zone IIIB auf ei- ner Länge von 8,5 km durchschnitten werden. Der Muschelkalk ist sehr stark verkarstet und zerklüftet; die aufliegenden Bodenschichten betragen stellenweise nur wenige cm und weisen deshalb kaum Filterwirkung auf. Das auf den Böschungen und Dammflächen ver- sickernde und abfließende Spritzwasser, das u.a. mit schwermetallhaltigem Reifenabrieb belastet ist, gelangt direkt ins Trinkwasserschutzgebiet. Nachdem in der Verkehrspolitik Maßnahmen zur Verlagerung von Gefahrguttransporten auf die Schiene fehlen, ist das Ri- siko einer Verunfallung auch außerhalb der baulichen Schutzmaßnahmen hoch. Die nöti- gen Sicherungsmaßnahmen während dem Baubetrieb sind aufwendig und es ist damit zu rechnen, daß sie nur mangelhaft eingehalten werden, sie müßten daher ständig überprüft werden.

Planfeststellungsabschnitt Mellrichstadt - Münnerstadt

Besonders schützenswert erscheint das Bahratal. Trotz des Brückenbaues werden die Baumaß- nahmen und die Dämme ein Tal durchschneiden, wo wertvolle Fließgewässerlebensräume direkt neben Trockenstandorten und ausgedehnten Waldgebieten vorkommen. Der strukturreiche Lebensraumkomplex weißt viele Vorkommen gefährdeter bis vom Aussterben bedrohter Tierarten sowie stark gefährdete Pflanzenarten auf. Der Wald hat an den Steilhängen Schutzfunktion. In der Steilwand in der Nähe des Rückhaltebeckens brütet der Eisvogel. Das Saaletal beheimatet wertvolle Fließgewässer-Lebensräume und stellt eine überregio- nale Verbindungsachse dar zwischen den Trocken-Lebensräumen des Grabfeldes und den Muschelkalkbereichen im Streu-/Saale-/Lauertal. Die Böschungskanten werden von Vö- geln und Schmetterlingen als Leitlinien genutzt.

In unserer ohnehin stark verinselten Landschaft sind zusammenhängende Waldflächen von besonderer Bedeutung. Von Zerstückelung sind bedroht: Nördlich Rheinfeldhof wäre von der A71-Trasse das Eichholz, ein arten- und strukturrei- cher mesophiler Eichen-Hainbuchenwald, mit Altbäumen, niederwaldartigen Abschnitten und wertvollen, teils flächig ausgebildeten Säumen mit Vorkommen zahlreicher gefährte- ter Arten betroffen. Als großflächiger Lebensraum sichert er das Überleben von seltenen störanfälligen Tierarten. Die Lange Lohe ist auch ein naturnaher und großflächiger Ei- chen-Hainbuchen-Wald mit Übergang zum Seggen-Buchen-Wald. Das große zusammenhängende Waldgebiet des Hornburger Waldes bietet ebenfalls Le- bensraum für Spezialisten und ist außerdem als Bodenschutzwald ausgewiesen. Bei Rödelmaier soll der geschlossene Kiefernbestand des "Tannig" in einem 26 m tiefen Einschnitt durchquert werden.

Am Westrand des Hornburger Waldes befinden sich Magerrasenreste, die nach Art. 6 Bay- NatSchG (Biotop 85.02 - 85.03) geschützt sind. Die strukurreichen Flächen stellen vor al- lem für 30 Bläulings- und andere Schmetterlingsarten einen optimalen Lebensraum dar, da dort ihre optimale Außentemperatur von 20 - 25(C durch die hohe Wärmespeicherfä- higkeit des Kalkuntergrundes, durch Schattenarmut und Hanglage sehr schnell erreicht wird.

Die einer Vielzahl von stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietenden Flächen umfassen außerdem die Trockenlebensräume der südexponierten Hänge des Saa- letales, des Bahratales und des Dippbachtales. Die Bedrohung dieser nährstoffarmen Flä- chen besteht in der Immision stickstoffhaltiger Abgase, Verlärmung, Zerschneidung und Flächenverlust.

Im Eichholz und der Langen Lohe sollen die Wanderbeziehungen von Amphibien zu ihren Laichgewässern zerschnitten werden. Da z.B. Erdkröten für ihr Leben lang auf ihr Geburts- gewässer geprägt sind, wird nur ein kleiner Teil der Populationen die Ersatzteiche finden, und ein großer Teil ist für den Fortbestand der Art verloren.

Die Trasse der A71 soll durch die Wasserschutzgebiete bei Hollstadt, Wülfershausen, Rheinsfeldhof, Bad Neustadt/Löhrieth, Strahlungen und Mariabildhausen und durch die Heilquellenschutzzone am Westrand des Eichholzes verlaufen.

Ferner sind naturhistorisch interessante Siedlungsfunde z.B. des Jungneolithikums von der Baumaßnahme betroffen.

Allgemein ist festzustellen, daß entlang neuer Straßen individuenreiche Pionierarten wandern, die in Konkurrenz treten zu seltenen Arten angrenzender Biotope.

Mit Thüringer Wald soll eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete zerteilt werden.

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